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Veröffentlicht am 07.01.2026 __

96. Verbandsversammlung

Rückblick, Großprojekte und Weichenstellung für 2026

Am 1. Dezember 2025 fand in Stödtlen-Gaxhardt, im „Pfauengarten“, die 96. Verbandsversammlung des Zweckverbandes RiesWasserVersorgung statt.


Im Jubiläumsjahr – der Verband wurde 1950 gegründet und feiert somit 75 Jahre – begrüßte Verbandsvorsitzender Thomas Saur (Bürgermeister der Gemeinde Wört) die Vertreterinnen und Vertreter der 12 Mitgliedsgemeinden. Als Gastgeber richtete Bürgermeister Jan Erik Bauer ein Grußwort an die Anwesenden.


Im Jahresbericht des Verbandsvorsitzenden sowie im Bau-, Betriebs- und Finanzteil wurde mehrfach auf das derzeit größte Projekt des Verbandes eingegangen: die umfassende Erweiterung und Modernisierung des Wasserwerks in Wört. Seit 2024 laufen dort mehrere Teilprojekte, die sich bis 2026 erstrecken und ein Investitionsvolumen von insgesamt rund 7 Mio. Euro sowie Unterhaltsmaßnahmen von ca. 1 Mio. Euro umfassen. Herzstück ist die neue Uranentfernungseinheit, die den Anforderungen an eine langfristig sichere Trinkwasseraufbereitung entsprechen wird.


Zum Maßnahmenpaket gehören außerdem:

die Sanierung und Modernisierung des bestehenden Wasserwerks, eine neue Transportdesinfektionsanlage zur Sicherheit des Trinkwassertransports bis zum Endkunden, die Sanierung des Reinwasserbehälters mit 2 × 500 m³, mehrere technische und bauliche Ergänzungen zur Effizienz- und Zukunftssicherung. Für die Erweiterung zur Uranentfernung erhält der Verband Fördermittel in Höhe von rund 1,7 Mio. Euro.


Der Verbandsrechner Herr Lorenz stellte das Rechnungsergebnis 2024 vor. Der endgültige Wasserpreis für 2024 konnte trotz hoher außerordentlicher Aufwendungen für eine Prozesskostenrückstellung und eine benötigte Wertberichtigung auf dem vorläufig erhobenen Preis von 3,10 EUR/m³ festgelegt werden; der Beschluss erfolgte einstimmig. Im anschließenden Bau- und Betriebsbericht informierte der technische Leiter, Herr Böhm, neben dem Großprojekt Wasserwerk auch über abgeschlossene Maßnahmen aus 2024, laufende Projekte aus 2025 sowie den Ausblick auf die für 2026 vorgesehenen Investitionen. Der weiter vorangetriebene Ausbau der PV-Anlagen leistet zusätzlich einen positiven Beitrag zur Energiebilanz des Verbandes.


Preisentwicklung 2026 – Gründe und Hintergründe

Der Wirtschaftsplan 2026 sieht eine deutlichere Wasserpreissteigerung auf 3,95 EUR/m³ vor als in den Vorjahren. Diese ergibt sich aus mehreren Faktoren:

überplanmäßige Kosten für die provisorische Aufbereitungsanlage während der Baumaßnahme im Wasserwerk, die umfangreichen Investitionen sowie die daraus resultierenden Abschreibungen und Finanzierungskosten, und ein erheblicher Zusatzbetrag aufgrund des weiterhin andauernden Streitfalls mit dem Wasserversorger NOW (Crailsheim).


Zum Liefervertrag mit der NOW

Bedeutung für beide Verbände Ein wesentlicher Bestandteil der Preisentwicklung ist die von der NOW ausgesprochene Kündigung des bisherigen Liefervertrags über jährlich rund 400.000 m³ Trinkwasser gegenüber der Riesgruppe, der seit Jahrzehnten Grundlage der Zusammenarbeit ist. Die RiesWasserVersorgung ist selbst Mitglied der NOW und misst dem bisherigen Verbund daher eine besondere Bedeutung bei.

Da die Wirksamkeit der Kündigung rechtlich unterschiedlich bewertet wird, wurde zur Klärung ein Schiedsgerichtsverfahren eingeleitet. Das Oberlandesgericht Stuttgart hat entschieden, dass ein Schiedsgerichtsverfahren zulässig ist, was zunächst von der NOW abgestritten wurde. Bis zu einer Entscheidung sind die damit verbundenen finanziellen Auswirkungen in der Kalkulation zu berücksichtigen; der Wegfall der Liefermengen wirken sich rechnerisch mit etwa 25 Cent pro m³ aus.

Sollte die Kündigung Bestand haben, würde die bestehende Verbindungsleitung zwischen beiden Verbänden – die zugleich der gegenseitigen Notversorgung dient – von der NOW nicht weiter saniert werden und stünde damit künftig nicht mehr für die gegenseitige Notversorgung und Wasserlieferung zur Verfügung. Für die RiesWasserVersorgung würde dies bedeuten, dass eine alternative Notversorgung mit erheblichem finanziellem Aufwand neu aufgebaut werden müsste.

Der Masterplan Wasserversorgung Baden-Württemberg plädiert jedoch gerade für Vernetzung und kooperative Verbundlösungen, die hier zerstört werden sollen.

Die NOW plant, die bisherigen Wasserrechte bei der Riesgruppe durch eigene, neue Brunnen und erweiterte Wasserrechte bei der Landeswasserversorgung Stuttgart zu ersetzen; dafür sind erhebliche Investitionen erforderlich, die deutlich über den bewilligten Fördermitteln von rund 2,7 Mio. Euro liegen. Diese Maßnahmen werden leider durch Förderprogramme unterstützt, während für die Sanierung der bestehenden gemeinsamen Infrastruktur ausdrücklich keine vergleichbaren Fördermittel vorgesehen sind. Der Masterplan Wasserversorgung Baden-Württemberg plädiert jedoch für Vernetzung und kooperative Verbundlösungen. Vor diesem Hintergrund ist die Frage der künftigen Ausgestaltung der Versorgung und der jeweiligen Investitions- und Förderentscheidungen von hoher Bedeutung.

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